Schottischer Mythos: Bonnie Prince Charlie – für den „schönen“ Prinzen starben die schottischen Krieger, dabei war er nur ein pickeliger Teenie

Erstmals wurde das Gesicht von Charles Edward Stuart rekonstruiert. Der „schöne“ Prince Charlie blickt als junger Mann noch voller Optimismus in die Welt. Die Simulation zeigt ihn als 24-Jährigen, kurz bevor sein unglückseliger Aufstand zusammenbrach und das alte Schottland von den Engländern systematisch zerstört wurde.

Mit einer Reihe von Aufständen versuchten die Anhänger der Stuarts die Folgen der „Glorious Revolution“ in England zu beseitigen. Der letzte Versuch war der Jakobitenaufstand von 1745 unter der Führung von Charles Edward Stuart, Bonnie Prince Charlie. Nach anfänglichen Erfolgen des „schönen“ Prinzen wendete sich das Blatt. London war in jeder Beziehung stärker und dazu kamen die Fehler der Aufständischen.

Glückloser Aufstand 

In der Schlacht bei Culloden 1746 wurden die Reste seines Heeres zerschlagen. Damit ging auch das Schottland der Highland-Clans unter, denn die Engländer zerstörten nach ihrem Sieg systematisch die Kultur der Highlands – heute würde man von kulturellem Völkermord sprechen. Der Prinz konnte fliehen. Danach verfiel sein Leben, man kann sagen, dass er durch seinen Alkoholismus zuerst jeden politischen Einfluss und seine Frau verlor und sich dann langsam zu Tode soff.WISSEN Napoleon Hund_13Uhr

Romantischer Mythos

Dem Mythos des „schönen“ Prinzen tat das keinen Abbruch. Zu romantisch was das Motiv: „Der schöne, jugendliche Prinz edelmütig und von wilden Clanskriegern umgeben, wird von den Schlächtern eines finsteren Londons besiegt.“ Die ersten Staffeln der TV-Erfolgsserie „Outlander“ drehen sich zu einem guten Teil um den Aufstand des Prinzen. Die zeitreisende Hauptperson Claire Randal (Caitriona Balfe) fällt aus dem 20. Jahrhundert in das 18. und weiß sehr wohl, dass alle Schotten, die sie umgeben, in Culloden sterben werden.Das Gemälde zeigt den Prinzen als Teenager

Nun hat man das Gesicht des Prinzens rekonstruiert und es sieht nur halb zauberhaft aus. Es wurde anhand von Totenmasken nachgebildet, die Rekonstruktion zeigt aber nicht den alten Mann, sondern den Prinzen so, wie er während des Jakobitenaufstands im Jahr 1745 ausgesehen hätte. Ein Team vom Centre for Anatomy and Human Identification der University of Dundee konnte die bisher naturgetreueste Nachbildung anfertigen.Starke und willige Männer brau… Neue Serie „Outlander“ bei VOX (2195352)

Grundlage sind Totenmasken

Die Arbeit zeigt ihn mit einem Alltagsgesicht, blonden Locken und einem weißen offenen Hemd, so wie er sich selbst am Morgen im Spiegel gesehen hätte. Aus den Totenmasken wurden 3D-Modelle erstellt, die dann wiederum auf ein jüngeres Alter heruntergerechnet wurden. Barbora Veselá hat das Projekt initiiert. Sie erklärt: „Ich habe mir frühere Rekonstruktionen historischer Persönlichkeiten angesehen und war daran interessiert, wie man es anders machen könnte. Ich wollte ein Bild geben, wie er während des Jakobitenaufstands ausgesehen hätte. Es gibt Totenmasken von Bonnie Prince Charlie, die zugänglich sind, einige befinden sich in Privatsammlungen. Wir wissen auch, dass er vor seinem Tod einen Schlaganfall erlitt, was den Prozess der Altersregression für mich noch interessanter machte.“Kürass Meme 11.57

„Es war eine Freude, mit diesen Artefakten zu arbeiten. Es gibt Momente, in denen man beim Arbeiten mit den Masken plötzlich denkt, dass es sich hier um einen lebenden Menschen handelte. Schönheit ist eine sehr subjektive Sache, aber Bonnie Prince Charlie hat charakteristische Merkmale wie seine Nase und seine Augen, die einen dazu ermutigen, ihn zu studieren.“

Instagram-Version des Mythos

Die realistische Rekonstruktion bricht mit den überlieferten Gemälden. Dort ist der junge Prinz stets prunkvoll gekleidet, trägt Hut und Perücke und ist getreu dem Geist der Zeit voll geschminkt. Barbora Veselá zeigt ihn mit roten Flecken im Gesicht, so als hätte er sich am Morgen gerade gewaschen. Die Rekonstruktion spinnt den Mythos weiter. Veselás Prinz blickt noch voller Neugier und Zuversicht in die Zukunft. Ein Moment, bevor seine Welt unterging und sein Lebensmut ihn nach der Niederlage bei Culloden für immer verließ.

Quelle: Guardian