„Bares für Rares“: „Halleluja“: Verkäufer wäre schon mit 1000 Euro zufrieden, der Schätzwert ist ein Vielfaches höher

Eine alte Vase seiner Mutter wollte Verkäufer Markus Lichtenstein bei „Bares für Rares“ loswerden. Die Expertise überstieg seine kühnsten Träume.

Seine Mutter habe über die Vase schon immer gesagt: „Die musst du mal zu Bares für Rares bringen.“ Und so hat sich Markus Lichtenstein, 61 Jahre alter Geologe aus Düsseldorf, mit dem Familienerbstück auf ins Pulheimer Walzwerk gemacht. 

Horst Lichter erkennt in dem Blumenbehälter zunächst nichts Besonderes: „Das ist so Glas, was bestrichen wird, abgeätzt wird, und das ist das so wie es ist“, versucht sich der Moderator mit einer Kurzexpertise.

Doch Colmar Schulte-Goltz hat deutlich mehr über die Vase zu sagen: Sie weise typische Gestaltungsmerkmale des Jugendstils auf, sagt der Experte. Sie sei handgemacht und habe ihre Herkunft in der Zeit um 1900. Auf den ersten Blick sehe das mittels Ätztechnik hergestellte Objekt aus, als stamme es aus französischer Produktion. 

„Bares für Rares“: Die Expertise bringt eine Überraschung

Allerdings weist er auf der Vase kyrillische Schrift nach und kann als Hersteller die russische Glasmanufaktur Gussevski identifizieren, die von 1914 bis 1917 herausragende Produkte angefertigt habe. Stilistisch schließe die Vase an den französischen Jugendstil an, mache aber „eine ganz eigene Interpretation für die russische Nation daraus“, erklärt Schulte-Goltz.

Als Schmerzgrenze gibt Lichtenstein 1000 Euro. Doch die Expertise bewegt sich in ganz anderen Dimensionen. „Das Rare der Vase schlägt sich natürlich im Preis nieder“, begründet Schulte-Goltz den Schätzwert von 10.000 bis 12.000 Euro. Da muss der Verkäufer erst einmal durschnaufen, ehe ihm ein „Halleluja“ entfährt. Selbst Moderator Horst Lichter muss zugeben: „Mir fehlen einfach die Worte.“

FS Bares für Rares Experten

„Meine Mutter wäre begeistert gewesen, wenn sie diese Expertise gehört hätte“, sagt Lichtenstein. Auch die Händler sind verzückt, als sie die Vase in Augenschein nehmen. „Ich mach das seit 30 Jahren, und habe noch nie eine in der Hand gehabt“, sagt Daniel Meyer staunend. 

Julian Schmitz-Avila startet das Bietergefecht mit 2000 Euro. Es gibt weitere Interessenten, doch in astronomische Höhen schießt der Preis nicht. Ihre Zurückhaltung begründen die Händler mit der aktuellen Marktsituaion. Russische Kunst sei aktuell aufgrund der politischen Lage schwer loszuwerden. 

Mehr als 7000 Euro ist Schmitz-Avila deswegen nicht bereit zu zahlen. Markus Lichtenstein schafft es immerhin, noch ein klein wenig mehr herauszuschlagen. So wechselt die Vase für 7200 Euro ihren Besitzer. Der Verkäufer ist zufrieden: „Die Händler müssen auch Leben.“

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