Deutsche Bahn: 84 Prozent kaufen ihre Tickets online – trotzdem will die Mehrheit nicht auf Automaten verzichten

Die Rufe nach der Digitalisierung schallen laut – doch auf Kundenseite scheint der Wunsch begrenzt zu sein. Obwohl die meisten Bahnfahrer ihre Zugtickets online buchen, wollen viele nicht auf die altbekannten Automaten verzichten.

Die meisten Kunden der Deutschen Bahn wollen einer Umfrage zufolge nicht darauf verzichten, Fahrkarten auch in Zukunft an Automaten oder Schaltern kaufen zu können. 64 Prozent der Bürger finden es „eher schlecht oder sehr schlecht“, wenn sie Bahntickets künftig ausschließlich über das Internet oder Apps buchen können. Dies hat eine repräsentative Umfrage der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) unter 1000 Befragten über 16 Jahren ergeben.

Besonders kritisch sehen den reinen Online-Verkauf demnach ältere Leute. 75 Prozent der Menschen über 50 Jahren halten dies für schlecht. Selbst unter den Jüngeren zwischen 18 und 29 Jahren sieht jeder zweite Befragte (49 Prozent) den reinen Online-Verkauf kritisch.STERN PAID 26_23 Titel Bahn Interview Huber 6.30

Deutsche Bahn dürfe niemanden benachteiligen

Die Vorständin der Verbraucherzentrale, Ramona Pop, fordert die Bahn auf, niemanden durch die Digitalisierung zu benachteiligen: „Menschen dürfen nicht vom Ticketerwerb oder günstigen Tarifen ausgeschlossen werden, nur weil sie keinen Online-Zugang haben oder lieber ohne Angabe privater Informationen mit der Bahn fahren wollen.“ Die Deutsche Bahn müsse „ihrer Rolle gerecht werden und ihre Angebote für alle Menschen verfügbar machen“.

Bereits heute bietet die Bahn den Angaben zufolge Spar- und Superspartickets nicht mehr an ihren DB-Automaten an. Wer ein Spar- oder Supersparticket am Schalter kaufen möchte, muss dort eine E-Mail-Adresse oder Handynummer hinterlegen. Die vzbv-Chefin kritisiert dieses Vorgehen: „Dass ausgerechnet der Erwerb günstiger Spar- und Superspartickets erschwert wird, birgt auch soziale Sprengkraft. Diejenigen, die sowieso jeden Euro zwei Mal umdrehen müssen, dürfen nicht das Nachsehen haben und zusätzlich mit ihren Daten zur Kasse gebeten werden.“

FS Züge in Europa pünktlich20.10

Aktuell buchen laut der Bahn 84 Prozent aller Reisenden ihre Fernverkehrstickets per App im DB-Navigator oder im Internet. Die Tendenz sei „steigend“, ergänzte eine Bahn-Sprecherin. Vor 10 Jahren machten dies nur 51 Prozent. Von einst über tausend Servicezentren der Deutschen Bahn existieren inzwischen weniger als 400, wie die „Westdeutsche Allgemeine“ (WAZ) ermittelte. Seit Januar 2022 können auch im Zug keine Tickets mehr gekauft werden.

Quellen:  vzbv, „WAZ“