Stern-Umfrage: Neuwahlen? Die Mehrheit der Deutschen ist dagegen

Der CSU-Vorsitzende Markus Söder fordert sie, auch der Linken-Chef Martin Schirdewan. Doch meisten Deutschen sind unverändert gegen vorzeitige Neuwahlen für den Bundestag. Mehr noch: Der Anteil der Neuwahlgegner ist seit Herbst sogar gestiegen.

Die Unzufriedenheit mit der Ampel-Koalition ist groß, doch das bedeutet nicht, dass eine Mehrheit der Deutschen schnelle Neuwahlen des Bundestages für richtig hält. Wie eine Forsa-Umfrage im Auftrag des stern ergab, sprechen sich 51 Prozent für einen vorgezogenen Urnengang aus und 46 Prozent dagegen. Drei Prozent äußern keine Meinung. 

Nur die Anhänger von Union und AfD sind mehrheitlich für schnelle Neuwahlen des Bundestages. Die AfD-Wähler plädieren gar zu 91 Prozent dafür, bei den Wählern von CDU/CSU sind es 56 Prozent. Die Anhänger der Ampel-Parteien sprechen sich klar gegen Neuwahlen aus – bei SPD und Grünen jeweils 87 Prozent und bei der FDP 56 Prozent. 

Forsa hatte die gleiche Frage schon im November gestellt. Der Anteil der Neuwahl-Befürworter ist unverändert geblieben, der Anteil der Gegner seitdem sogar um drei Prozentpunkte gestiegen. 

Neuwahlen hatten zuletzt CSU-Chef Markus Söder gefordert und der Linken-Vorsitzende Martin Schirdewan. Die verfassungsrechtlichen Hürden dafür sind allerdings hoch. 2005 hatte SPD-Kanzler Gerhard Schröder absichtlich eine Vertrauensabstimmung im Bundestag verloren. Danach hatte der damalige Bundespräsident Horst Köhler das Parlament aufgelöst. Wie sich das heutige Staatsoberhaupt in einer vergleichbaren Situation entscheiden würde, gilt in Berlin als völlig offen. 2017 hatte Frank-Walter Steinmeier die SPD in eine Große Koalition gedrängt, nachdem Gespräche über eine Jamaika-Regierung gescheitert waren. Falls die Ampel-Koalition zerbrechen sollte, wäre es also durchaus möglich, dass er dieses Mal von der Union eine Regierungszusammenarbeit mit der SPD fordern würde.

Umfrage Neuwahlen Grafik Jan 24

Die Daten wurden vom Markt- und Meinungsforschungsinstitut forsa für den stern und RTL Deutschland am 11. und 12. Januar erhoben. Datenbasis: 1001 Befragte. Statistische Fehlertoleranz: +/- 3 Prozentpunkte