Kolonialgeschichte: Deutsche Museen diskutieren über Raubgut

In Museen gibt es noch heute oft geraubte Überreste anderer Kulturen. Die Debatte über eine Rückgabe von Masken oder Schmuck an Kamerun wollen die Museen nun gemeinsam angehen.

In deutschen Museen lagern mehr als 40.000 Objekte aus der früheren deutschen Kolonie Kamerun, eine sehr große Zahl davon wurde während der Kolonialzeit geraubt und landete in den Sammlungen. Nach Jahrzehnten des Zögerns werden jetzt nach und nach Raubgut-Stücke auch aus anderen Regionen zurückgegeben. Schlagzeilen machten zuletzt die berühmten Benin-Bronzen aus dem heutigen Nigeria, auch menschliche Überreste anderer Kulturen sind bereits übertragen worden.

Gemeinsam mit Delegationen und Vertretern traditioneller Königshäuser aus Kamerun wollen elf deutsche Museen der Weltkulturen heute (09.30 Uhr) einen Dialog über weitere Rückgaben und die gemeinsame Zusammenarbeit aufnehmen. Von einem ersten Treffen in Stuttgart versprechen sich die Häuser einen persönlichen Austausch und mehr Vertrauen.

Ziel sei ein gesamtdeutsches Vorgehen der Museen, sagte die Direktorin des Linden-Museums in Stuttgart, Inés de Castro. „Wir wollen nach Wegen der Restitution und nachhaltiger Kooperation mit Kamerun suchen.“

Vieles kam auf unethische Weise in Besitz

Beim Dialogtreffen sind nach Angaben de Castros die Museen vertreten, die jeweils mehr als 500 kamerunische Objekte in ihren Sammlungen beherbergen. Die größte kamerunische Sammlung in Deutschland wird im Linden-Museum aufbewahrt.

„Viele dieser Kulturgüter sind auf unethische Weise in unsere Häuser gelangt“, sagte de Castro der Deutschen Presse-Agentur. Museen wollten daher bei der Aufarbeitung des kolonialen Erbes ihren Beitrag zur Wiedergutmachung leisten.

Es habe zwar bislang vereinzelte Gespräche und Vorhaben gegeben. „Für uns ist es jetzt aber sehr wichtig, diese Rückgaben und die Frage einer weiteren Zusammenarbeit mit Kamerun auf eine breite Basis zu setzen. Und wir wollen stärker manifestieren, dass wir bereit sind, etwas zu tun.“

Die Museen knüpften keine Bedingungen an die Restitution, sagte de Castro. „Und wir verlieren auch nicht nur, auch wenn es mal weh tut, etwas abzugeben. Aber wir profitieren auch, wir gewinnen extrem viel durch den Austausch.“ Sie rechnet damit, dass viele Objekte auch in den deutschen Sammlungen bleiben können etwa als Dauerleihgabe, in Ausstellungen oder durch Übereinkünfte mit rechtmäßigen Besitzern.

Kamerun war lange deutsche Kolonie

Kamerun war von 1884 bis 1919 eine deutsche Kolonie. In dieser Zeit wurden Objekte wie Musikinstrumente, Textilien, Waffen, Schmuck, Architekturelemente, Gebrauchsgegenstände, rituelle Statuen oder Masken ins Deutsche Reich gebracht.

Zuletzt hatte die Untersuchung „Atlas der Abwesenheit. Kameruns Kulturerbe in Deutschland“ einer Gruppe von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern um die in Berlin lehrende Kunsthistorikerin Bénédicte Savoy in Zusammenarbeit mit sieben deutschen Museen die Rückgaben thematisiert.

Für Aufsehen hatte Ende 2022 vor allem die Rückgabe von zunächst 20 wertvollen Benin-Bronzen aus Museen in Berlin, Hamburg, Köln, Stuttgart und Dresden/Leipzig an Nigeria gesorgt. Mehr als 1100 der Arbeiten aus dem Palast des damaligen Königreichs Benin, das heute zu Nigeria gehört, waren bisher in deutschen Museen zu finden. Die Objekte, die neben Bronze auch aus Elfenbein und anderen Materialien gefertigt sind, stammen größtenteils aus britischen Plünderungen im Jahr 1897.