„Tatort“ aus Köln: The Wolf of Strukturvertrieb: Ein Krimi über die falschen Versprechen der Finanzbranche

Dieser „Tatort“ ist zur Hälfte ein Finanzthriller: Die Angestellten der Investmentfirma „Concreta“ verdienen mit ihren Provisionen ein Heidengeld. Doch als das Kartenhaus zusammenbricht, ist die Party vorbei – und ein Mitarbeiter verliert die Nerven.

4 von 5 PunktenEs geschieht zwar ein Mord, doch das ist in diesem „Tatort“ nur Nebensache: Im Zentrum steht ein manipulativer Finanzdienstleister

Worum geht’s?

Christopher Komann (Robin Sondermann) hat es, wie man so schön sagt, geschafft. Er ist erfolgreicher Unternehmer und besitzt eine Villa mit Pool. Finanziert wird das mit seiner Investmentfirma „Concreta“, in der eine wachsende Zahl an Mitarbeitern wertlose Finanzprodukte vertreibt. Ein Schneeballsystem, von dem kurzzeitig auch die Angestellten profitieren – das aber vor allem Komann reich macht. Als die Blase platzt, ist die Party erst einmal vorbei – und viele der Kunden sind um ihr Vermögen geprellt. Ein Mitarbeiter verliert die Nerven und bedroht seinen Chef mit der Waffe – kurz nachdem ein Verbraucheranwalt tot aufgefunden wurde, der eine Sammelklage gegen „Concreta“ vorbereitet hat.

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Warum lohnt sich der „Tatort: Pyramide“?

Die Geschehnisse werden aus der Perspektive von Andrè Stamm (Rouven Israel) dargestellt. Seine Frau Anja erwartet gerade ihr erstes Kind und er möchte seiner Familie ein schönes Leben ermöglichen. Da bietet der neue Job bei „Concreta“ die einmalige Chance, in kurzer Zeit sehr viel Geld zu verdienen. Stamm erliegt dem Charme des charismatischen Firmengründers Christopher Komann und macht, was der von ihm verlangt: Er verkauft Finanzprodukte – auch in seinem privaten Umfeld. Als es zum finanziellen Crash kommt, gehen auch persönliche Beziehungen in die Brüche. Diese Geschichte vom Finanzbetrug mag altbekannt sein, dieser „Tatort“ (Buch: Arne Nolting und Martin Scharf, Regie: Charlotte Rolfes) bereitet das Thema aber auf originelle Art und Weise auf, indem er auf die lineare Erzählweise verzichtet und stattdessen episodenhaft in Rückblenden beleuchtet. „In der Vorgeschichte liegt das Drama, das den menschlichen Abgrund – oder die Not und Verzweiflung freilegt, die zu einem Mord führen“, sagt Autor Martin Scharf. „Die Erzählstruktur mit Flashback-Episoden erlaubt es uns, bei diesem Drama hautnah dabei zu sein.“

Was stört?

Motivationsansprachen wie die des selbstverliebten Leitwolfs Komann kennt man bereits aus „The Wolf of Wall Street“ oder der Serie „Bad Banks“. Der „Tatort“ fügt dem wenig Neues hinzu. Und wie viele andere Filme in diesem Bereich scheitert auch „Pyramide“ daran, den Kern des wirtschaftlichen Betrugs genau zu erklären.

Die Kommissare?

Häufig wird das Thema eines „Tatorts“ auch im Privatleben der Kommissare durchdekliniert. Dieser Film hebt sich wohltuend davon ab: Ballauf und Schenk müssen nicht über ihre eigenen Erfahrungen mit der Finanzbranche berichten, über Verwandte jammern, die übers Ohr gehauen wurden. Sie können sich ganz auf die Ermittlungen konzentrieren.

Das Beste aus 1000 Folgen „Tatort“ 15.40

Ein- oder ausschalten?

Das Thema ist nicht neu, doch der „Tatort: Pyramide“ macht aus bekannten Versatzstücken einen spannenden Fall. Schalten Sie unbedingt ein!

Die Kommissare Ballauf und Schenk ermittelten zuletzt in diesen Fällen:

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