Notfälle: DLRG: „Wer jetzt auf Eisflächen geht, ist lebensmüde“

Brandenburg gilt als seenreichstes Bundesland. Gelegenheit, um Eisflächen für Schlittschuh und Spaziergänge zu nutzen, gibt es viele. Doch der Gang auf das Eis bedeutet derzeit Lebensgefahr.

Das winterliche Schauspiel von zugefrorenen Seen und Flüssen mit teils leichter Schneedecke lockt in Brandenburg derzeit Neugierige an die Gewässer. Doch die Eisflächen tragen nicht, die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) warnt deshalb vor dem Betreten.

„Wer jetzt auf Eisflächen geht, ist lebensmüde“, sagte der DLRG-Sprecher für den Landesverband Brandenburg, Daniel Keip, der Deutschen Presse-Agentur am Samstag. Die Temperaturen der letzten Tage reichten nicht aus, um die Eisschicht auf Gewässern tragfähig zu machen, sie sei nur wenige Zentimeter dick. „Wir bräuchten Frost von zehn Grad unter Null noch über mehrere Tage, um nur ansatzweise ein tragfähiges Eis an vielen Stellen zu erzeugen“, stellte er dar. Derzeit habe aber Tauwetter eingesetzt.

Nach bitterkalten Tagen zu Beginn der Woche erwartet der Deutsche Wetterdienst (DWD) am Samstag und Sonntag Temperaturen von + 2 bis +4 Grad. Am Montag sollen die Temperaturen auf bis zu +3 Grad steigen.

Der DLRG-Sprecher räumte gleichzeitig mit einem Mythos auf, die Wasserschutzpolizei oder Städte und Gemeinden würden Eisflächen frei geben. Das mache niemand, weil das Risiko viel zu hoch sei, erläuterte der Ehrenamtler. Wer unbedingt aufs Eis wolle, solle überflutete Wiesen nutzen, die überfroren und nicht tief seien.

Das nicht tragfähige Eis auf den Gewässern ist nicht nur für Leichtsinnige lebensgefährlich. Auch für Helfer werde eine Rettung schwierig, betonte Keip, der zu den 4000 Ehrenamtlern der DLRG in Brandenburg gehört. Wenn das Eis einmal breche, breche es immer wieder. Helfer müssten sich flach auf den Boden legen, etwa mit einer Leiter oder einem Seil. Bei der Rettung zähle aber jede Sekunde.

Der Lebensretter beschrieb, wie der Körper in eiskaltem Wasser von derzeit etwa einem Grad reagiert. Nach einem „Schockmoment“ sacke der Kreislauf ab, der Körper versuche gleichzeitig, seine Temperatur zu halten. Beine und Arme würden aber durch das kalte Wasser unterversorgt, die Muskeln schwächer und der Betroffene könne sich nicht mehr über Wasser halten, stellte der DLRG-Sprecher dar.

Am Dienstag war nach Polizeiangaben eine 83-Jährige in Forst (Spree-Neiße) aufgrund von Glätte ausgerutscht und in einen Graben mit eiskaltem Wasser gefallen. Alarmierte Rettungskräfte fanden sie leblos auf, ein Notarzt konnte nur noch ihren Tod feststellen.